Freundschaft

Nach einem Monat schreibe ich hier wieder etwas; lange ist es her. Der Dezember ist praktisch vorüber, das Jahr 2006 sowieso, die Weihnachtsferien haben begonnen, Heilig Abend steht vor der Tür.

Ferien sind für mich jene Zeit, in der man drei Sachen macht: 1. Radfahren. 2. Fernseh gucken 3. Stadtbücherei. Alle Ferien verlaufen so bei mir. Ich sehe zwei Wochen lang niemanden aus der Schule, vielleicht treffe ich jemanden zufällig. Aber verabreden tue ich mich mit niemanden. Warum auch ? Leider habe ich ja niemanden, der mal bei mir anruft, und ich glaube manchmal, ich möchte auch gar keinen haben; ein schrecklicher Gedanke.

Zuerst einmal habe ich de facto meine letzte Freundschaft aufgekündigt. Oder hat er sie aufgekündigt ? Ich weiß es nicht. Aber wir reden kaum noch miteinander, wir fahren nicht mehr gemeinsam zur Schule, wir verabreden uns nicht mehr, wir machen nichts mehr miteinander. Schließlich hat er ja die Anne. Anne ist mit ihm befreundet, daher war ich lange Zeit auch mit ihr etwas befreundet. In Italienisch sitze ich zwischen beiden. Nur meistens redete ich mit ihm, und als Anne kam, hat er mich einfach ignoriert. Eine Zeit lang herrschte so etwas wie ein Machtkampf zwischen mir und ihm um Anne. Wenn Mädchen zwischen einer Freundschaft stehen, kann das nie gut gehen. Ich habe es auf Dauer Leid gehabt. Und Anne ? Sie hat mich in letzter Zeit auch wie der letzte Dreck behandelt. Jaja, ich weiß, dass ich bescheuert und blöd bin. Ich weiß, dass ich verrückt und abnormal lebe. Dafür helfe ich ihr ja auch in Italienisch weiter. Schon klar Anne. Tschüss Anne. Sie behandelt mich jetzt ganz anders, seit ich sie mehr oder weniger ignoriere. Wenn ich jetzt an ihr vorbeilaufe, kann ich ihre Blicke spüren; sie stechen auf mich ein. Einmal muss ich stur bleiben.

Vielleicht war es auch gar keine Freundschaft. Eher ein Zweckbündis. Punkt. Zweck nicht mehr vorhanden. Aus. Vorbei.

Mein zweiter Freund ist zur Zeit in den USA. Wir hatten etwas E-Mail-Kontakt. Aber auf diesen habe ich auch keine Lust mehr.

Ich schrieb ihm jeden Tag etwas. Ich habe keine Antwort bekommen. Und wenn, dann waren sie zehn Zeilen lang, wenn überhaupt. Bei ICQ war er für mich nie da. Ach, und das ist ein Freund ? Für wen hält der sich eigentlich ! Also habe ich von meinen Suizidversuchen erzählt. Ach, auf einmal war er mein Freund. Ja, natürlich. Dieser Vollidiot. Hinter meinem Rücken hat er mich auch schlecht gemacht. Hat mich auch nie ernst genommen. Wie damals, in Berlin.

Wir waren mit einer Jugendgruppe in Berlin. Natürlich war ich der Außenseiter, logisch. Spätabends sind wir in eine Kneipe gegangen. Als wir um ein Uhr zur Jugendherberge zurückfahren wollten, fiel auf einmal auf, dass der letzte Bus zum Alexanderplatz gefahren ist. Also meinte ich, man solle die Straßenbahn über den Danziger Ring nehmen. Ach was, son Quatsch meinten die anderen. Die erste Straßenbahn fuhr an uns vorbei. Quatsch, meinte er nur. Jaja, purer Quatsch.

Und was haben wir nach einer halben Stunde genommen ? Die Straßenbahn über den Danziger Ring. So einfach ist das.

Ich habe keine Lust auf Pseudofreundschaften. Ich habe keine Lust auf Freundschaften. Alle Leute haben mich bisher betrogen, nur zu wenigen habe ich Vertrauen. Was sind das für Freunde, die "keine Zeit" für eine Freundschaft haben ? Nein danke. Tschüss, sage ich da nur. Von mir gibts keine Weihnachtsgrüße nach Amerika. An niemanden. Alle sollen mich vergessen und ich will alle anderen vergessen. So einfach. Punkt.

Jetzt habe ich wirklich niemanden mehr. Jetzt bin ich wirklich ganz alleine auf dieser Welt. 2007 wird das Jahr ohne Menschen. Alles, was ich dort erleben werde, ist einzig und allein auf mich bezogen. 2007 wird das Jahr der verlorenen Seelen. Ich stochere weiterhin in diesem Brei der Welt herum, ohne zu wissen wohin, ohne zu wissen warum. Ich werde meine Tage weiterhin mit Chatten, Fernseh gucken, Radfahren und Stadtbücherei verbringen.So wie in den letzten fünf Jahren. So wie in den nächsten fünf Jahren. Tagein, Tagaus, nichts neues. In meiner Welt nichts Neues. Dabei möchte ich doch noch etwas erleben; dabei möchte ich auch einmal abends in ein Café gehen, einmal abends ausgehen, einmal abends zu zweit ins Kino schreiten. Wenigstens einmal. Einmal anerkannt sein; einmal ernst genommen werden. Vielleicht mache ich da selbst viel falsch. Ich weiß, ich habe einen schwierigen Charakter. Aber immerhin werde ich mir darüber bewusst. Nur wo soll ich mich ändern ? Soll ich mich überhaupt ändern ? Ich weiß es nicht. Ich kann es auch gar nicht wissen.

Manchmal, in kalten Nächten, frage ich mich, ob ich die Sehnsucht nach der Liebe mehr liebe als die Liebe selbst; in solchen Nächten bin ich an den Tiefpunkt angelangt. Ich möchte....ja, was möchte ich überhaupt ? In dieser Welt musst du dich entscheiden: Normal oder Freak, es gibt nichts dazwischen, es ist wie plus und minus, und ich habe mich für Freak entschieden, oder was heißt entschieden, ich wurde einfach einer, weil ich eben so bin. Vielleicht ändert sich irgendwann etwas. Aber ich bin schon 17, da ist die Jugend praktisch vorbei, da hat jeder eine Freundin, jeder hat Sex, und ich wurde noch nicht einmal geküsst; ich setze mich schon ganz schön unter Druck, aber ich tue ja auch nichts. Ich habe Akne im Gesicht, und auf der Brust, grausame Akne, brutale Akne, aber ich mache nichts dagegen, obwohl ich weiß, dass ich etwas ändern müsste; ich drücke meine Akne auf der Brust immer noch aus, regelmäßig, sie ist schon ganz verhärtet, als wäre es ein Geschwür. Ich kann damit nicht einfach so aufhören.

Naja, so bin ich eben...tja, irgendwie muss es ja schon weitergehen. 2007, ich komme ! Tada, tadi, Attacke mit vollem Geschrei ! 2007 möchte ich mit dem Rad nach Rom, freue mich schon drauf; und mit wem ? Na logisch, natürlich alleine ;-)

22.12.06 14:52

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