Jazz

Viele Momente in meinem Leben sind ziemlich depressiv, doch manchmal hab eich auch Phasen, in denen ich bestens gelaunt. Nur wenige Dinge machen mich glücklich, doch verlieren diese wenigen Dinge über die Jahre hinweg nichts von ihrem Reiz. Sie verzaubern Dich immer noch, wie in der ersten Stunde ihres Erscheinens. Ich bin froh, dass ich noch so etwas habe. Und glücklich darüber. Schon dieser Gedanke macht mich glücklich. Man ist froh, wenn man in der dunkelsten nacht Sternschnuppen sieht.

Vielen Menschen geht es nicht gut. Ich weiß. Aber viele Menschen lassen sich nicht helfen. Oder sie behaupten, sie hätten nichts mehr, was sie glücklich macht. Was sie verzaubert, in den Bann reißt. Es wird sicherlich solche Menschen geben. Aber leider bilden sich nur zu viele Menschen dieser kleinen Welt ein, sie gehörten zu dieser Gruppe. Das stimmt nicht. Man hat immer etwas,was einen glücklich macht; und genau das ist das Schöne in diser Welt. Und sei es nur eine Kleinigkeit. Es sind die Kleinigkeiten, die einen glücklich machen. Sie halten treu zu dir.

Gestern Abend, es war dunkel, betrat ich mein Zimmer. Ich hatte mir eine CD mit der Filmmusik aus dem Film "Das Boot" ausgeliehen. Bisher habe ich nur Stück 6 gehört. Erinnerungen. Melancholisch. Traurig. Einsamkeit. Doch eine unbekannte Stimme sagte mir, ich solche Nummer 23 einstellen.

Jazz. Purer Jazz. Aber irgendwie hatte er etwas tragikomisches an sich. Wie der Chanson davor. Mon Gars. Ich kann kein französisch. Ich habe es nie gelernt. Der Chanson war wunderschön. Irgendwie muss ja das Leben weitergehen. Irgendwie funktioniert das schon. Was solls ! Englisch miserabel, Geschichte verhauen. Angst vor der Schule. Ach was ! Mensch, was bin ich nur eine erbärmliche Gestalt. Und ich lache über mich selbst. Höre Jazz, höre Chansons. Erkenne meine eigene Tragik. Und meine eigene Komik. Gegensätze ziehen sich an. Oder ist das wirklich ein Gegensatz. Irgendwie wird es schon weitergehen. Irgendwie muss es schon weitergehen. Träume von der großen, weiten Welt mit ihren vielen Kleinigkeiten, ihren Kleinstigkeiten und ihrem Trübsal. Ihren Strömen voller Verzweiflung. Und lausche dabei den Tönen einer Trompete, eines Klaviers, eines Cellos oder was das auch immer sein soll. Vielleicht auch Schlagzeug. Mir doch egal ! Mir gefällt das Stück, es macht mich glücklich. Mehr muss ich nicht wissen. Warum auch ? Was hilft schon dieses Wissen, das wir erwerben ? Für einen guten Job ? Für die Illusion, das Leben sei planbar ? Nein. Es hilft nicht. Ich schließe die Augen, sehe mich alleine und doch glücklich. Die Farben in den Straßen sind hell. Und lebe im Augenblick. Es gibt kein Morgen. Keine Vergangenheit. Ich genieße das Jetzt. Hier lebe ich ! Hier, in der Gegenwart ! Und mag die Welt auch noch so schlimm sein, mag ich sie auch noch so schlecht verstehen, mag auch alles den Bach hinuntergehen; ich bleibe mir treu und weiß, dass die Tragik und der Trübsal einen Menschen noch nie weitergebracht haben.

Heute bin ich früh nach Hause gekommen. Viel zu früh. Drei Schulstunden sind ausgefallen. Erdkunde, Geschichte. Die Klausur gibt es erst am Donnerstag zurück. Ach was ! Es wird schon weitergehen. In der Erdkundeklausur habe ich ein besonderes Gefühl. Ich habe das Gefühl, die Arbeit verhauen zu haben; aber da ist doch immer dieses kleine Pünktchen Zuversicht, das ich nur bei besonders guten Leistungen haben. Schule ist eben auch ein Lottospiel. Das Problem: Man erwartet, man zieht immer die sechs Richtigen. Und das funktioniert meistens nicht. Tja, so ist das eben. Ich blicke zurück. Und sehe meine Quittungen der Lottoannahmestelle. Sie verbleichen...

Der Abend gestern hat mich überrascht. Ich habe alleine getanzt. Es ist mir egal, was die anderen denken. Ich habe es einfach getan. Noch etwas geschauspielert. Ein bisschen jongliert. Ein schöner Abend. Und doch weiß ich, dass er sich niemals außerhalb meines Zimmers ausdehnen lässt. So ist das eben. Meine eigene Welt wird mich nicht so schnell preisgeben. Was solls ! Lasst uns den Jazz auflegen und nicht denken. Lasst uns fühlen. Ja, lasst uns fühlen, wie wir noch nie gefühlt haben.

21.11.06 15:13

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen