Achterbahn

Acherbahnfahrt. Eien ewige, andauernde Achterbahnfahrt. So beschreibe ich den heutigen Tag. Alles ist eine achterbahnfahrt. Mein ganzes Leben ist eine Achterbahnfahrt. Drunter und drüber, mit Loopings, mit Tiefen und Höhen, steilen Aufstiegen und ewigen Abstürzen, mit rasender Geschwindigkeit und verhängnisvoller Erwartung. Und der Tag heute ? Er ist noch nicht vorbei, ich weiß. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber ich lobe ja nicht den Tag. Oder doch ? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Achterbahnfahrten haben mich immer schlecht gemacht. Ich war mal in einer, nachher war mir grottenübel. Ich mag Achterbahnen nicht. Und doch faszinieren sie mich. Mit ihren Kurven, ihrer Ästhetik, ihrer Silhouette. Sie sind wie aus einer fremden Welt. Symbol meines Lebens, du offenbarst die dreimal jährlich auf der Kirmes. Faszinierend, wirklich,unglaublich faszinierend.

Heute musste ich ein Referat in Englisch halten. Sommernachtstraum. Shakespeare. Ich hasse Englisch, ich habe mich nur gemeldet, weil ich eine 4 doppel minus in der Arbeit und im Mündlichen habe. Knapp vorbeigeratzt, ich weiß. Aber knapp daneben ist eben ganz daneben. Danke. Das Referat allerdings wurde ein Fiasko. Ich stammelte irgendetwas vor mir hin, malte irgendetwas an die Tafel. Mich machten die Blicke nervös, aber noch viel nervöser machte mich die Sprache. Englisch ist schwer. ich weiß, alle wundern sich darüber. Englisch ist doch einfach ! Italienisch ist schwierig ! Ich denke andersherum. Italienisch ist einfach, weil die Sprache schön ist. Weil sie auch Ausnahmen hat, weil sie leidenschaftlich ist. Englisch habe ich nie so empfunden. Es sind meine Gefühle, die mich so denken lassen. Man kann dagegen nicht logisch argumentieren. Man kann meine Argumente nicht logisch analysieren und interpretieren. Man muss sie hinnehmen. Mit Gefühl. Mit Emotion. Subjektiv. Intuitiv. Ich mache alles intuitiv. So stehe ich in Mathe beinahe-fünf. Aber hier gilt die Regel: Eben nur beinahe. Und manchmal, aber wirklich manchmal, da hilft mir die Intuition weiter. Da habe ich einen Gedankengang, der die Menschen verblüfft. Es sind jene Momente, aus denen ich meine ganze Energie schöpfe. Dieses bisschen Lob hilft mir weiter. Ich bin stolz. Und das darf ich wirklich sein.

Und dann noch eine Geschichtsklausur. Geschichte ! Sie war nciht das gelbe von Ei. Am Ende verschwammen die Buchstaben vor meinen Augen. Hoffentlich lief alles gut ab. Das Leben ist eine Achterbahnfahrt, wie schon gesagt. Den höchsten Punkt erreichte ich in Italienisch. Ja, die Sprache der Leidenschaft, des Herzens. Italien ! Ich war noch nie dort, und doch träume ich von dir. Ich träume nicht wegen der Sonne, wegen den Stränden. Ich träume von der Ruhe der Toskana, vom Leben in den kleinen Dörfern. Von diesem Land hinter den Alpen, das mir manchmal wie ein großes Wunderland vorkommt. Es ist eine andere Kultur, eine andere Welt. Man mag mir nicht zustimmen, vielleicht. Mir ist es egal, denn Leidenschaft kann man nicht zerstören. Sie kommt und geht, fließt dahin wie ein Fluss, mal schnell, mal langsam, mal kurvig und verdreht, dann wieder gerade und klar. Man kann sie nicht greifen. Ich mag sie. Alle mögen sie.

Ich war bestens gelaunt. Ich sang mit Johann ein japanisches Lied. Vor vielen Jahren habe ich es von VIVA aufgenommen, doch die Kassette längst verschwunden in den Händen eines Japanischlehrers. Früher habe ich japanisch gelernt, was heißt gelernt, ich wollte es können, aber nicht lernen. Das geht nicht. Ich kann ein paar Wörter, ein paar Schriftzeichen. Johann hat dieses Lied irgendwo im Internet gefunden, auf den MP3-Player gepackt, mir gegeben. Es ist extrem nervig. Es ist extrem kitschig. Ich mag es dennoch. Vielleicht gerade deshalb, vielleicht auch, weil es mich an Japan und Asien erinnert, mit ihren Molochstädten und ihrem Buddhismus. Kontraste ziehen sich gegenseitig an. Bei den einem mehr, bei dem anderen weniger. Bei mir ganz viel.

Ich mag die Welt. Ich mag auf merkwürdige Weise alle Städte und Länder. Das hört sich kitschig an, aufgesetzt. Aber irgendwie finde ich fremde Länder und Städte faszinierend. Ich kann es mir nicht erklären. Es würde zu weit führen. Vor vielen Jahren habe ich alle Dinge, die mich faszinierten, in einer Reihenfolge gepackt. Mata sommari ist die Faszination des Sommers, Mata urbani die der Stadt. Es gibt noch viel mehr "matas". Es hilft mir, in meinem Dschungel der Gefühle zurechtzufinden. Bisher klappte es ganz gut, und doch weiß ich, dass es vielleicht irgendwann nicht mehr so gut klappen wird. Dann muss ich mir etwas anderes einfallen lassen. Es muss klappen. Punkt. Nichts weiteres dazu zu sagen.

Der Tag ist praktisch vorbei. Ich werde nicht mehr viel machen. Zähne putzen, etwas essen, etwas fernsehen. Das wars. Wahrscheinlich werde ich wieder versuchen, möglichst lange Fernseh zu gucken. Um mich im Bett nicht vor den Gedanken an morgen zu fürchten. Morgen ist eigentlich nicht so schlimm, bekomme aber eine oder gar zwei Klausuren wieder. Und dann noch Deutsch. Ich kann Deutsch gut, sogar sehr gut. Und dennoch mag ich es nicht. Merkwürdig.

Besteht mein Leben eigentlich aus etwas anderem, als aus Gedanken darüber, wie die Schule sein wird ?

Ja. Aus Gedanken, wie ich mich vergessen kann.

20.11.06 17:25

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


isL / Website (20.11.06 17:37)
du armes ding. mir geht es ähnlich. sehr oft. schon ein blödes gefühl.
ich schreib seit 3 wochen auch nur klausuren und LKs. das leben besteht in der 11/12 nur aus solchen Dingen. Leider. Aber genieß die momente dazwischen, wo du abschalten kannst

lg

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